Vor dem Rathaus steht der von dem leider viel zu früh verstorbenen Künstler Horst Engelhardt geschaffene Tröpfelbrunnen. Er befindet sich unweit jener Stelle, wo bis zu seinem Abriss 1983 ein sowjetisches Siegesdenkmal den Marktplatz mehr oder weniger zierte. Der Brunnen nun weist mit der Inschrift „Die Seele erfrischen, das Herz erlaben, im Bade kannst du beides haben“ bereits auf eine weitere Bad Freienwalder Besonderheit hin.
Die Quellen mit ihrem heilkräftigem Wasser, die nicht nur um das Jahr 1684 herum dem bereits erwähnten Großen Kurfürsten Linderung von seinen diversen „Zipperlein“ verschafften, sondern auch das nach den Drangsalen des Dreißigjährigen Krieges daniederliegende Städtchen (in den Straßen soll Gestrüpp so hoch gewachsen sein, dass man sich darin verstecken konnte) neues Leben einhauchte: Vor den Toren Freienwaldes entstand der spätere Gesundbrunnen, durch den Bad Freienwalde zur ältesten märkischen Kurstadt wurde und zu dem man damals wie heute auf der gleichnamigen Straße gelangt. Vom Markt ausgehend geht es ein Stückchen bergauf die Königstraße entlang. Auch hier Geschichte und Geschichten auf Schritt und Tritt: Das Eckhaus Uchtenhagenstraße, in dem 1909 der Schriftsteller und Psychoanalytiker Hans Keilson geboren wurde. Der Bad Freienwalder Ehrenbürger lebte seit seiner Emigration 1936 in Holland, wo er 2011 hochgeehrt verstarb. Eine weitere Tafel an seinem ehemaligen Wohnhaus erinnert an den Dichter Karl Weise, den Theodor Fontane den „märkischen Hans Sachs“ nannte.
Fast ein wenig unpassend zwischen all den klassizistischen Fassaden in der Königstraße wirkt das Fachwerk von St. Georg: 1696 erbaut, drohte dem nicht mehr als Kirche genutzten Gebäude in der DDR der (gedankenlose) Abriss. Das beherzte und jahrelange hartnäckige Engagement der Freienwalder rettete die hübsche, kleine Georgenkirche. Seit 1986 dient das Kirchlein als Konzerthalle. Nur wenige Schritte weiter, wo die Rathenaustraße abzweigt und direkt zum Schloss führt, begegnen wir mit der von dem Freienwalder Künstler Axel Anklam geschaffenem Kunstwerk „Lichtung“ wieder dem hier fröhlich sprudelnden Wasser. Ganz anderes Wasser wäre der Stadt nach der Überschwemmung 1947 genau 50 Jahre später noch einmal zum Verhängnis geworden: Das Oderhochwasser! Während 1997 der unermüdliche Einsatz tausender Helfer einen Deichbruch verhinderte, der die Stadt wohl bis an den Markt heran überflutet hätte, hat das 1947er Hochwasser bis an die alte Post gereicht, woran dort auch ein kleiner Gedenkstein erinnert.
Wer sich von der Lichtung nach links wendet, kommt zur sogenannten Judentreppe, an deren Fuß in der Fischerstraße bis zur Zerstörung in der „Kristallnacht“ 1938 das jüdische Bethaus stand, woran der Gedenkort erinnert. Die Fischerstraße gehört wie auch die Grünstraße zu den ältesten Straßen der Stadt.
Ebenso die Wasserstraße, deren Name noch an das einstige Wassertor erinnert. Sie zieht sich am Freienwalder Landgraben hin, der zur Entwässerung von Teilen des Oderbruchs dient. Kaum vorstellbar, dass Reisende, die vor dessen Trockenlegung über Schiffmühle in die Neumark wollten, mit einer Fähre die „Große Hechtsee“ überqueren mussten. Theodor Fontane freilich konnte seinen in Schiffmühle wohnenden Vater längst per Kutsche besuchen – schon in der Uchtenhagenzeit wurde der heutige Weidendamm gebaut.
Fontane war es auch, der Freienwalde attestierte, dass es seinen Bergen alles verdanke: „Von dort aus kommen seine Quellen und von dort aus gehen die Fernsichten ins Land hinein.“ Eine jener Berge ist der Ruinenberg oberhalb der Weinbergstraße mit der wunderschönen Aussicht von der künstlichen Ruine auf die Freienwalder Altstadt und ins Bruch. „Der Anblick ist schön in seiner Art“, sinniert der Schriftsteller von dort oben zum Abschluss seiner Wanderung durch unsere Stadt „und wer krank geworden im Licht und Staub und all dem Blendwerk großer Städte, der wird hier Genesung feiern und dieses Grün begrüßen, wie ein Durstiger einen Quell begrüßt.“
Seit ihrer Errichtung wurde die Kirche vielfach umgebaut und naturgemäß zog der Turm Blitze geradezu magisch an – zuletzt schlug er 1867 ein. Nicht für die Ewigkeit gelang damals der Wiederaufbau des ausgebrannten Turmes, so dass er 2006 erneut saniert werden musste. Denn auch im Kirchenschiff waren mittlerweile Risse aufgetreten und der Dachstuhl musste gerichtet werden. Das Material für die Reparaturen lieferten übrigens fast immer die Ziegeleien der Stadt. Eine Kirchenziegelei wurde bereits im Jahre 1414 erstmals erwähnt und hat bis vor wenigen Jahren noch an diesem Standort Ton abgebaut und daraus Ziegel produziert.
In der Kirche befindet sich auch die Gruft der Adelsfamilie von Uchtenhagen, die von 1375 bis 1618 über Bad Freienwalde herrschte. Von der Wand rechts neben dem Altar blickt das Kinderbild von Caspar von Uchtenhagen herab. Um dessen frühen Tod Anno 1603 rankt sich eine Sage, die auch Theodor Fontane bei einem seiner Besuche niederschrieb. Die Uchtenhagens haben übrigens bis in die Neuzeit ihre Spuren hinterlassen. So findet sich beispielsweise das sechsspeichige rote Rad aus ihrem Familienwappen heute im Bad Freienwalder Stadtwappen wieder.